Mythos vs. Realität: Sitzt ein Softwareentwickler wirklich nur am Schreibtisch?
Hi, ich bin Sebastian und arbeite seit über 8 Jahren als Softwareentwickler bei DriveCon.
In meinem Arbeitsalltag beschäftige ich mich mit SPS-Programmierung und Softwareentwicklung und begleite Projekte von der Entwicklung bis zur Inbetriebnahme direkt an der Anlage. Wer an den Arbeitsalltag eines Programmierers denkt, hat häufig ein ziemlich eindeutiges Bild vor Augen: acht Stunden am Schreibtisch, mehrere Bildschirme, unzählige Zeilen Code und möglichst wenig Ablenkung. Aber entspricht das wirklich der Realität? Sitzen Programmierer den ganzen Tag am Schreibtisch?
Zugegeben: Ganz aus der Luft gegriffen ist dieses Bild nicht.
Mein Schreibtisch und mein Computer sind zwar wichtige Bestandteile meines Berufs – mein tatsächlicher Arbeitsalltag ist aber deutlich vielseitiger. Softwareentwicklung bei DriveCon bedeutet für mich nicht nur Programmieren. Es geht um technische Herausforderungen, Kommunikation, Teamarbeit und darum, gemeinsam Lösungen für reale Anforderungen zu entwickeln.
Wie sieht mein Arbeitsalltag als Softwareentwickler aus?
Mein Arbeitstag beginnt nicht zwangsläufig damit, dass ich sofort meine Entwicklungsumgebung öffne und die ersten Zeilen Code schreibe. Häufig verschaffe ich mir zunächst einen Überblick über die anstehenden Aufgaben und Projekte.
Was steht heute an? Gibt es Rückfragen zu einer aktuellen Entwicklung? Muss eine bestehende Funktion angepasst werden? Oder ist bei einer Anlage ein Problem aufgetreten, bei dem wir gemeinsam nach der Ursache suchen müssen?
Mythos: Ein Programmierer schreibt den ganzen Tag Code
Was macht ein Softwareentwickler den ganzen Tag? Die kurze Antwort wäre vermutlich: deutlich mehr als nur programmieren.
Natürlich gehört das Schreiben von Code zu meinen zentralen Aufgaben. Der Beruf Programmierer umfasst aber viele weitere Tätigkeiten. Bevor ich eine Lösung umsetzen kann, muss ich zunächst verstehen, welche Anforderungen bestehen und welches Problem eigentlich gelöst werden soll.
Zu meinen typischen Programmierer-Aufgaben gehören daher beispielsweise die Analyse von Anforderungen, die Planung technischer Lösungen, der Austausch mit Kollegen, Tests, Fehlersuche und Dokumentation.
Das eigentliche Programmieren ist also nur ein Teil des gesamten Entwicklungsprozesses. Gerade in der Automatisierungstechnik sind die Aufgaben vielfältig. Software und reale Prozesse greifen unmittelbar ineinander. Deshalb muss ich nicht nur verstehen, wie eine Anwendung technisch funktioniert, sondern auch, was mit ihr gesteuert oder automatisiert werden soll.
Arbeiten in der Softwareentwicklung bedeutet Teamarbeit
Das Klischee vom Programmierer als Einzelkämpfer hält sich hartnäckig. Meine Erfahrung sieht anders aus.
Arbeiten in der Softwareentwicklung bedeutet für mich, regelmäßig mit anderen Menschen im Austausch zu stehen. Innerhalb unseres Teams sprechen wir über aktuelle Aufgaben, technische Herausforderungen und mögliche Lösungswege. Gleichzeitig ist die Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen, Kunden und Projektpartnern wichtig. Denn eine technisch saubere Lösung bringt wenig, wenn sie nicht zur tatsächlichen Anforderung passt.
Gerade bei Software für Industrieanlagen ist dieses Zusammenspiel entscheidend. Wir entwickeln nicht einfach Software um der Software willen. Hinter einer Anwendung stehen konkrete Prozesse, Maschinen oder Anlagen, die zuverlässig funktionieren müssen und auf die Kundenwünsche abgestimmt sind.
Was macht man als Softwareentwickler, wenn etwas nicht funktioniert?
Ein weiterer wichtiger Teil meines Arbeitsalltags ist die Fehlersuche. Eine Funktion verhält sich anders als erwartet, ein bestimmter Prozess läuft nicht korrekt oder ein Fehler tritt nur unter bestimmten Bedingungen auf. In solchen Situationen bringt es wenig, einfach auf Verdacht Änderungen am Code vorzunehmen.
Stattdessen beginnt die Analyse. Ich versuche, das Problem zu reproduzieren, prüfe verschiedene Komponenten und arbeite mich Schritt für Schritt zur Ursache vor. Dabei fühlt sich meine Arbeit manchmal weniger nach Programmieren und mehr nach technischer Detektivarbeit an.
Gerade hier zeigt sich, dass ein guter Entwickler nicht einfach möglichst viel Code schreiben sollte. Viel wichtiger ist es, ein Problem wirklich zu verstehen und anschließend eine nachhaltige Lösung dafür zu finden.
Lernen gehört zur Softwareentwicklung dazu
Technologien und Anforderungen entwickeln sich kontinuierlich weiter. Deshalb gehört für mich auch das Lernen fest zum Beruf.
Dabei bedeutet Weiterbildung nicht zwangsläufig, in einer Schulung zu sitzen. Vieles lerne ich direkt während meiner täglichen Arbeit: durch neue Projekte, direkt an der Anlage oder durch den Austausch mit meinen Kollegen.
Gerade die Verbindung von Softwareentwicklung und Automatisierungstechnik sorgt dafür, dass technische Fragestellungen sehr unterschiedlich sein können. Das erfordert die Bereitschaft, sich immer wieder in neue Themen einzuarbeiten und bestehende Lösungen zu hinterfragen.
Vom Schreibtisch direkt an die Maschine
Ein Aspekt meines Arbeitsalltags zeigt besonders deutlich, warum das typische Bild vom Programmierer am Schreibtisch bei uns nicht wirklich zutrifft: Unsere Arbeit endet nicht mit der Programmierung am Computer. Wir nehmen unsere Software auch direkt vor Ort an der Maschine oder Anlage in Betrieb.
Für mich ist das ein besonders spannender Teil der Softwareentwicklung bei DriveCon. Was zuvor am Schreibtisch geplant, programmiert und getestet wurde, trifft bei einer Inbetriebnahme auf die Realität. Dann zeigt sich, wie Software, Steuerung, Sensorik, Antriebe und die tatsächlichen Abläufe einer Anlage zusammenspielen.
Dabei sitze ich eben nicht vor meinem Bildschirm im Büro, sondern stehe direkt an der Maschine. Ich teste Funktionen, analysiere das Verhalten der Anlage, nehme Anpassungen vor und stimme mich mit Kollegen, Kunden und anderen beteiligten Unternehmen ab. Gerade in der SPS-Programmierung gehört dieser direkte Bezug zur Technik für mich zu den Dingen, die den Arbeitsalltag eines Programmierers bei DriveCon besonders abwechslungsreich machen.
Natürlich bringt eine Inbetriebnahme auch Herausforderungen mit sich. Nicht jede Situation lässt sich im Vorfeld vollständig simulieren. Vor Ort entstehen neue Fragestellungen, Schnittstellen müssen geprüft oder Abläufe optimiert werden. Dann heißt es, flexibel zu reagieren, Fehler systematisch zu analysieren und gemeinsam mit den Beteiligten eine Lösung zu finden.
Unsere Inbetriebnahmen führen uns nicht nur zu Unternehmen in Deutschland. Je nach Projekt sind wir auch international unterwegs. Eine gewisse Reisebereitschaft als Softwareentwickler gehört bei DriveCon deshalb dazu – und genau das macht den Beruf für mich besonders abwechslungsreich.
So kann es sein, dass ich meine Software zunächst am Schreibtisch entwickle und sie später direkt vor Ort an einer Maschine oder Anlage in Betrieb nehme. Statt ausschließlich vom Büro aus zu arbeiten, lerne ich dadurch unterschiedliche Unternehmen, Anlagen und technische Prozesse hautnah kennen.
Unsere Projekte bewegen sich beispielsweise im Maschinenbau, in der Lagertechnik, Fördertechnik und Logistik sowie im Brückenbau. Durch die Inbetriebnahmen erhalte ich direkte Einblicke in verschiedene Branchen und sehe, wie unterschiedlich Automatisierungstechnik in der Praxis eingesetzt wird. So habe ich die Möglichkeit, neue Orte und Unternehmen kennenzulernen, internationale Projekterfahrung zu sammeln und vor allem die Anlagen zu erleben, für die wir unsere Software entwickeln.
Sitzen Programmierer also den ganzen Tag am Schreibtisch?
Für meinen Arbeitsalltag als Programmierer bei DriveCon kann ich diese Frage eindeutig mit Nein beantworten.
Natürlich verbringe ich viel Zeit am Computer. Dort entsteht schließlich ein großer Teil unserer Software. Mein Arbeitsplatz kann aber genauso direkt an einer Maschine oder Anlage bei einem Kunden sein – in Deutschland oder international.
Genau diese Verbindung mag ich an meinem Beruf: Ich entwickle nicht nur Software am Schreibtisch – ich sehe vor Ort, was meine Arbeit tatsächlich bewirkt.
Autor:
Sebastian Gürsching
Softwareentwickler bei DriveCon
Seit 8,5 Jahren als Softwareentwickler und SPS-Programmierer bei DriveCon tätig.